OM 642 wird runtergefahren

Seit Langem wird bei uns über die Zukunft der Dieselmotor-
Produktion spekuliert. Diese Spekulationen
kann man sich langsam sparen. Denn inzwischen werden
Tatsachen geschaffen:

  • Reduzierung der Stückzahl
  • Reduzierung der Schichten von 2 auf anderthalb
  • „Freisetzung“ von ungefähr 40 Kollegen
  • „Freisetzung“ von ungefähr 15 Leiharbeitern

Auf der Daimler-Hauptversammlung am 10. April gab es von Zetsche mal wieder blumige Worte. So faselte er: „Integrität ist das oberste Gebot für unser Handeln.“ In der neuen Verhaltensrichtlinie soll, so Zetsche, von „gegenseitigem Respekt, Transparenz und Offenheit“ die Rede sein. Für die aktuell betroffenen Kollegen in Bau 70 müssen diese Worte wie blanker Hohn klingen.

Denn sie wurden nicht einmal rechtzeitig informiert. Es fanden keine offenen Gespräche über die neue Situation statt. Stattdessen teilte man ihnen von heute auf morgen mit, dass sie binnen weniger Tage in Bau 1 versetzt werden. Dabei hatten sich einige Kollegen für andere Tätigkeiten, zum Beispiel in Bau 24, beworben. Das interessierte die Vorgesetzten aber nicht. Wir fragen: Wo bleibt das Mitbestimmungsrecht bei Versetzungen?

Wenn der OM 642 runtergefahren wird, dann geht das alle Kollegen im Werk an. Schließlich hängen daran Hunderte von Arbeitsplätzen – direkt und indirekt. Was wir hier erleben, ist eine Operation am offenen Herzen! Schließlich ist die Motorenproduktion das Herzstück unseres Betriebs.

Sollte die Fertigung vom OM 642 komplett zum Erliegen kommen und wir für diesen Motor keinen Ersatz erhalten, würde Marienfelde das Kerngeschäft genommen.

Die Betriebsrats-Mehrheit hat wieder mal alles abgenickt. Und das auch noch vor der letzten Betriebsversammlung. Dabei hätten wir dort die Möglichkeit gehabt, gemeinsam über die neue Lage zu beraten. Nötig ist jetzt, alle Druckmittel zu nutzen: Zum Beispiel keine weitere Zustimmung von Wochenendarbeit, solange Arbeitsplatzvernichtung droht!

# Diesen und noch weitere Artikel findest du in unserer letzten Ausgabe Nr.41.
# Die DaimlerWorkersNews der Daimler Koordination findest du ebenfalls hier.

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Presseerklärung von Daimler-Kolleginnen und Kollegen zur Aktion vor der Hauptversammlung des Daimler-Konzerns am Mittwoch, den 10.04.2013 – ICC Berlin

Daimler – Kolleginnen + Kollegen wehren sich gegen Leiharbeit, Werkvertrag und Fremdvergabe!

Mercedes-Benz wirbt für seine Fahrzeuge mit dem Slogan „Das Beste oder nichts“. Früher hätten viele gedacht, dieses Motto trifft auch für die Arbeitsplätze im Daimler-Konzern zu. Es gilt aber definitiv doch nur für die Vorstände mit ihren millionenschweren Jahresgehältern und „bestens“ gesicherten Altersbezügen. Heute ist Daimler nämlich alles andere als der leuchtende Stern am Arbeitnehmerhimmel. Im Gegenteil dazu nimmt das Unternehmen eher eine Vorreiterrolle bei der Verschlechterung von Arbeitsbedingungen ein.

Seit Jahren nutzt Daimler dauerhaft einen festen Sockel an Leiharbeit. Außerdem werden in großem Umfang mit Werk- und Dienstverträgen Tätigkeiten bisheriger Stammbeschäftigter fremd vergeben. Das bedeutet für die Beschäftigten:

  • Perspektivlosigkeit
  • Unsichere, weil befristete Beschäftigung
  • Niedrigere Entlohnung
  • Höheres Unfallrisiko durch unterlaufene Arbeitssicherheit
  • Schlechtere oder in den meisten Fällen gar keine betriebliche Alterssicherung
  • Moderne Wanderarbeit mit unterschiedlichen Einsatzorten
  • Ständige Angst durch Prinzip „Hire and fire“

Mit dieser Beschäftigung werden zunehmend Beschäftigte 2. und 3. Klasse geschaffen. Im gleichen Betrieb werden die gleichen Tätigkeiten zu völlig unterschiedlichen Bedingungen verrichtet. Ein konkretes Beispiel aus dem Produktionswerk Untertürkheim: Ein Staplerfahrer, der Stammbeschäftigter ist, erhält monatlich brutto ca. 3.500 Euro; wenn es ein von Daimler entliehener Leiharbeiter ist, sind es ca. 2.700 Euro ; ist die Tätigkeit an einen Dienstleister fremd vergeben, holt sich diese Firma Leiharbeiter für ca. 1.300 Euro Monatslohn.

Ein Beispiel aus dem Verwaltungsbereich: Während eine fest bei Daimler beschäftigte Sekretärin 3.500 Euro erhält, kommt die Kollegin der Leiharbeitsfirma nicht über 2.200 Euro.
Diese Praxis mit prekären Beschäftigungsverhältnissen verbreitet sich wie ein Krebsgeschwür in allen Unternehmensbereichen. Selbst in Entwicklungs- und Forschungsbereichen sind es teilweise schon über 30 Prozent.

Weil derart befristet Beschäftigte notgedrungen schlechtere Bedingungen hinnehmen, erhöht dies auch den Druck auf die Arbeitsbedingungen der Stammbelegschaft.

Nicht nur bei Daimler und in der Automobilindustrie, sondern in allen Branchen ist die prekäre Beschäftigung auf dem Vormarsch. Seit 2000 wurden 2,3 Millionen Vollzeitarbeitsplätze vernichtet. Im Gegenzug wurden Billigjobs massiv ausgeweitet. Der Niedriglohnanteil mit einem Stundenlohn kleiner € 9,53 (Westdeutschland), bzw. kleiner € 7,22 (Ostdeutschland) ist auf über 22 % angestiegen.

Auch international wird deutlich, dass Daimler ein skrupelloser Ausbeuter befristet und schlecht bezahlter Arbeitnehmer ist. Im Montage-Werk in Pune/Indien kommen auf 167 Stammbeschäftigte ca. 700 Befristete und Leiharbeiter, die nur 20-25% des Lohnes eines Festeingestellten erhalten.

Der durch EU-Recht und deutsches Recht definierte Gleichbehandlungsgrundsatz von Leiharbeitern und Festangestellten wird durch Öffnungsklauseln mit Tarifverträgen unterlaufen. Solange diese Unterbietungstarifverträge existieren, werden Zetsche und Co. für sich und ihresgleichen immer nur das „Beste“ rausholen. Für die betroffenen Beschäftigten bleibt zu wenig bzw. „nichts“, um ein sozial gesichertes, würdevolles Leben zu führen.

Nicht nur die Mercedes-Kunden haben den Anspruch auf das „Beste“, sondern auch alle Beschäftigten. Deshalb müssen alle DGB-Tarifverträge mit Leiharbeitsverbänden ersatzlos gekündigt werden. Wir brauchen keine Regulierung von Leiharbeit, sondern ein Verbot von Leiharbeit und aller weiteren prekären Beschäftigungsverhältnisse.

Daimler-Koordination – Kontakt & ViSdP: Michael Clauss, Palmenwaldstr. 54, 73733 Esslingen

# Die Presseerklärung findest du hier: Presseerklärung Daimler-Koordination 10.04.2013