Presseerklärung von Daimler-Kolleginnen und Kollegen zur Aktion vor der Hauptversammlung des Daimler-Konzerns am Mittwoch, den 10.04.2013 – ICC Berlin

Daimler – Kolleginnen + Kollegen wehren sich gegen Leiharbeit, Werkvertrag und Fremdvergabe!

Mercedes-Benz wirbt für seine Fahrzeuge mit dem Slogan „Das Beste oder nichts“. Früher hätten viele gedacht, dieses Motto trifft auch für die Arbeitsplätze im Daimler-Konzern zu. Es gilt aber definitiv doch nur für die Vorstände mit ihren millionenschweren Jahresgehältern und „bestens“ gesicherten Altersbezügen. Heute ist Daimler nämlich alles andere als der leuchtende Stern am Arbeitnehmerhimmel. Im Gegenteil dazu nimmt das Unternehmen eher eine Vorreiterrolle bei der Verschlechterung von Arbeitsbedingungen ein.

Seit Jahren nutzt Daimler dauerhaft einen festen Sockel an Leiharbeit. Außerdem werden in großem Umfang mit Werk- und Dienstverträgen Tätigkeiten bisheriger Stammbeschäftigter fremd vergeben. Das bedeutet für die Beschäftigten:

  • Perspektivlosigkeit
  • Unsichere, weil befristete Beschäftigung
  • Niedrigere Entlohnung
  • Höheres Unfallrisiko durch unterlaufene Arbeitssicherheit
  • Schlechtere oder in den meisten Fällen gar keine betriebliche Alterssicherung
  • Moderne Wanderarbeit mit unterschiedlichen Einsatzorten
  • Ständige Angst durch Prinzip „Hire and fire“

Mit dieser Beschäftigung werden zunehmend Beschäftigte 2. und 3. Klasse geschaffen. Im gleichen Betrieb werden die gleichen Tätigkeiten zu völlig unterschiedlichen Bedingungen verrichtet. Ein konkretes Beispiel aus dem Produktionswerk Untertürkheim: Ein Staplerfahrer, der Stammbeschäftigter ist, erhält monatlich brutto ca. 3.500 Euro; wenn es ein von Daimler entliehener Leiharbeiter ist, sind es ca. 2.700 Euro ; ist die Tätigkeit an einen Dienstleister fremd vergeben, holt sich diese Firma Leiharbeiter für ca. 1.300 Euro Monatslohn.

Ein Beispiel aus dem Verwaltungsbereich: Während eine fest bei Daimler beschäftigte Sekretärin 3.500 Euro erhält, kommt die Kollegin der Leiharbeitsfirma nicht über 2.200 Euro.
Diese Praxis mit prekären Beschäftigungsverhältnissen verbreitet sich wie ein Krebsgeschwür in allen Unternehmensbereichen. Selbst in Entwicklungs- und Forschungsbereichen sind es teilweise schon über 30 Prozent.

Weil derart befristet Beschäftigte notgedrungen schlechtere Bedingungen hinnehmen, erhöht dies auch den Druck auf die Arbeitsbedingungen der Stammbelegschaft.

Nicht nur bei Daimler und in der Automobilindustrie, sondern in allen Branchen ist die prekäre Beschäftigung auf dem Vormarsch. Seit 2000 wurden 2,3 Millionen Vollzeitarbeitsplätze vernichtet. Im Gegenzug wurden Billigjobs massiv ausgeweitet. Der Niedriglohnanteil mit einem Stundenlohn kleiner € 9,53 (Westdeutschland), bzw. kleiner € 7,22 (Ostdeutschland) ist auf über 22 % angestiegen.

Auch international wird deutlich, dass Daimler ein skrupelloser Ausbeuter befristet und schlecht bezahlter Arbeitnehmer ist. Im Montage-Werk in Pune/Indien kommen auf 167 Stammbeschäftigte ca. 700 Befristete und Leiharbeiter, die nur 20-25% des Lohnes eines Festeingestellten erhalten.

Der durch EU-Recht und deutsches Recht definierte Gleichbehandlungsgrundsatz von Leiharbeitern und Festangestellten wird durch Öffnungsklauseln mit Tarifverträgen unterlaufen. Solange diese Unterbietungstarifverträge existieren, werden Zetsche und Co. für sich und ihresgleichen immer nur das „Beste“ rausholen. Für die betroffenen Beschäftigten bleibt zu wenig bzw. „nichts“, um ein sozial gesichertes, würdevolles Leben zu führen.

Nicht nur die Mercedes-Kunden haben den Anspruch auf das „Beste“, sondern auch alle Beschäftigten. Deshalb müssen alle DGB-Tarifverträge mit Leiharbeitsverbänden ersatzlos gekündigt werden. Wir brauchen keine Regulierung von Leiharbeit, sondern ein Verbot von Leiharbeit und aller weiteren prekären Beschäftigungsverhältnisse.

Daimler-Koordination – Kontakt & ViSdP: Michael Clauss, Palmenwaldstr. 54, 73733 Esslingen

# Die Presseerklärung findest du hier: Presseerklärung Daimler-Koordination 10.04.2013

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Für eine offene und demokratische Betriebsratsarbeit

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist ja kein Geheimnis, dass es im Betriebsratsgremium unterschiedliche Meinungen gibt. Darum sahen wir (Kollegen von „Alternative“ und „Faire Basis“) uns 2010 gezwungen, eigene Listen zur Betriebsratswahl aufzustellen. Das Ziel unserer Betriebsräte ist es, konsequent die Interessen aller Beschäftigten zu vertreten. Dazu gehört Gegenwehr statt Verzicht. Dazu gehört auch eine offene und transparente Informationspolitik gegenüber der Belegschaft.

Trotz aller Meinungsverschiedenheiten halten wir es für nötig, dass die Arbeitnehmervertreter immer wieder aufs Neue versuchen, kollektiv zu handeln. Darum haben wir gemeinsam am 1. Mai demonstriert. Darum haben wir uns alle am IG-Metall-Warnstreik im Rahmen der Tarifrunde beteiligt. Darum haben wir es öffentlich begrüßt, als in der „Zur Sache“ über die Camtronic geschrieben wurde, dass keine „Arbeitsplätze kampflos aufgegeben“ werden dürften.

Wie ihr wisst, gab es auch in diesen Fragen unterschiedliche Haltungen im Betriebsrat. So verstehen wir nicht, wie trotz anders lautender Ankündigungen seitens der Betriebsratsmehrheit im Fall der Camtronic dann doch „kampflos“ eine Sechs-Tage-Woche hingenommen wurde. Und zur gleichen Zeit auch noch „kampflos“ 20 Absageschichten ab genickt wurden.

Trotzdem werden wir weiterhin Vorschläge machen, als Arbeitnehmervertreter an einem Strang zu ziehen. Gleichzeitig sehen wir es als unsere Pflicht an, die Belegschaft regelmäßig über die Situation im Betriebsratsgremium zu informieren. Schließlich hat die Lage im Betriebsrat Auswirkungen darauf, wie gut die Anliegen der Kollegen behandelt werden können.

Aus diesem Grund haben wir in einem Betriebsrats-Info am 13. März 2012 die Situation / die Probleme im Betriebsrat dargestellt. Deshalb wollen wir Euch mit diesem Betriebsrats-Info erneut darüber berichten.

Im Kern sehen wir drei eklatante Probleme:
1. Es gibt überhaupt keine kontinuierliche Tätigkeit des Betriebsratsgremiums.
2. Anträge oder Initiativen aus der Belegschaft werden ständig ignoriert.
3. Die Betriebsräte der „Alternative“ und der „Fairen Basis“ werden massiv bei ihrer Betriebsratsarbeit behindert.

Leider finden nicht einmal regelmäßig Betriebsratssitzungen statt. So heißt es in Ziffer 7 der Geschäftsordnung des Betriebsrats: „Der Betriebsrat tritt in der Regel alle zwei Wochen zusammen.“ Statt der vom Gesetzgeber geforderten 26 Sitzungen wurde z.B. 2011 nur 12 Mal zu ordentlichen Sitzungen eingeladen. Schlimmer noch: Ohne ersichtlichen Grund wurden zwischen Januar 2011 und Oktober 2012 insgesamt 17 Mal (!) ordentliche Betriebsratssitzungen einfach abgesagt. Somit erfolgten auch in 2012 nur 16 ordentliche BR-Sitzungen.

Zu den Rechten von Betriebsratsmitgliedern gehört es eigentlich, auch Punkte, die Kollegen wichtig sind, selber auf die Tagesordnung setzen zu können. Voraussetzung dafür ist laut Betriebsverfassungsgesetz nur, dass mindestens ein Viertel der Betriebsratsmitglieder einen solchen Punkt beantragt. Die Betriebsratsmitglieder der Listen Alternative und Faire Basis erfüllen das geforderte Quorum. Ärgerlicherweise werden solche korrekt eingereichten Anträge aber immer wieder komplett missachtet.

Zum Beispiel wurde im April ein Tagesordnungspunkt „Beschlussfassung zur Regelung der Arbeitszeit für An- und Ablegen der Arbeitskleidung“ ordnungsgemäß beantragt. Bis heute wurde dieser Antrag aber nie behandelt!
Davor hatten wir unter anderem drei Anträge zum Einsatz von Fremdfirmen eingebracht. Angesichts der permanent wachsenden Zahl von Fremdfirmen-Beschäftigten wollten wir den Arbeitgeber auffordern, endlich alle Zahlen auf den Tisch zu bringen. Auf dieser Basis hätte man klären können, welche Zahl neu zu schaffender Arbeitsplätze gefordert werden müsste.

Obwohl jedem gewählten Betriebsratsmitglied das Recht zusteht, Zugang zu allen Laufwerken des Betriebsrates und seiner Kommissionen (wie Arbeitsschutz, Personal Entgelt und so weiter) zu haben, werden uns diese Informationen trotz mehrfacher Bitten und Aufforderungen allesamt vorenthalten! Was heißt das konkret? Es wird uns extrem erschwert, uns um die Angelegenheiten von Kollegen, die sich an uns wenden, bestmöglich zu kümmern.

Trotz der Anträge und Nachfragen unsererseits bekommen wir zu allen relevanten Betriebsratsentscheidungen keinerlei Kenntnis, wie beispielsweise über den Inhalt von Entscheidungen des Betriebsrates über die Einstellung von Leiharbeitern oder Ferienaushilfen.

Damit werden den Betriebsräten der „Alternative“ und der „Faire Basis“ permanent Steine in den Weg gelegt. Das erschwert nicht nur die Tätigkeit unserer Betriebsräte, sondern schadet letztlich allen Kollegen im Werk. Denn wenn immer wieder Betriebsratssitzungen ausfallen, Anliegen von Kollegen nicht aufgegriffen werden und einem Teil des Betriebsratsgremiums alle wichtigen Informationen vorenthalten werden, dann können wichtige Themen wie z. B. Arbeitsschutz, Personalpolitik, Entgelt, etc. nicht wirksam behandelt werden. Außer den Damen und Herren in der Chefetage kann das niemand freuen.

Alles sieht danach aus, dass härtere Zeiten auf uns zu kommen. So sind bei uns diverse Abteilungen, wie z.B. auch unser Kerngeschäft – der OM642, von Programmreduzierungen betroffen und vom Auslauf bedroht. Ausreichend Ersatzarbeitsplätze stehen offenbar nicht zur Verfügung. Damit blüht uns weiterer Rationalisierungsdruck.

Um so wichtiger, dass wir in Berlin-Marienfelde ein funktionierendes Betriebsratsgremium haben, dass alle Betriebsratsmitglieder einbezieht, umfassend informiert und die Möglichkeit bietet, sich darüber auszutauschen, zu diskutieren, auch zu streiten, wie das Maximum für die ganze Belegschaft herausgeholt werden kann!

Da der BR seit 2010 – trotz mehrfacher Aufforderungen durch uns und durch unseren Rechtsanwalt – weiterhin unsere Betriebsratsrechte missachtet und sämtliche vorhandene Dokumente und Unterlagen vollumfänglich verweigert, uns an der Wahrnehmung unserer Mitbestimmung hindert und der Geschäftsordnung und seinen betriebsverfassungsrechtlichen Pflichten nicht nachkommt, bisher nur leere Zusicherungen aussprach, auf unsere Schlichtungsangebote unter Einbeziehung von Klaus Abel, den Ortsvorstandsvertreter der IGM nicht eingegangen ist, sehen wir uns nun nach ergebnislosem Verstreichen der letzten Frist gezwungen unsere Rechte zum Wohle der Belegschaft und des Werkes gerichtlich durchsetzen zu lassen.

# Die intern verteilte BR-Info dazu findest du hier: BR-Info Nr. 2 2013

Achtung: MPS is watching you!

Jetzt ist es raus: 8,6 Milliarden Euro hat Daimler 2012 erwirtschaftet. Doch das reicht dem Vorstand nicht. Wie schreibt Dieter „Nimmersatt“ Zetsche in seinem Mitarbeiter-Brief? Daimler will „profitabel wachsen“ und „besser abschneiden als die anderen!“ Darum das neue „Effizienzprogramm“. Mindestens 2 Milliarden Euro sollen gespart werden. Und zwar jährlich. Die Rendite soll auf 10 % hochschnellen. Alles zu Lasten der Belegschaft. Nachdem der Vorstand in Stuttgart das Kommando gegeben hat, sind seine Truppen losgestürmt. Auch bei uns in Berlin wurden sie schon gesichtet. Sie gehören zum MPS. Das steht für „Mercedes-Benz Produktionssystem“.

Die MPS-Kräfte sollen alles unter die Lupe nehmen, jeden Stein umdrehen. Auf der Website von Daimler ist zu lesen, was mit MPS erreicht werden soll: eine „gezielte Implementierung von Lean-Projekten“. Lean heißt so viel wie schlank. Die Produktion soll also „abnehmen“. Das „Manager-Magazin“ vom 18.10. berichtet, dass Mercedes laut einer internen Projektgruppe 8-10.000 Mitarbeiter zu viel hätte. Im Angestelltenbereich ist jetzt von der „lean administration“ die Rede. Auch das verheißt nichts Gutes … Die MPS-Kräfte sind nur quartalsweise im Einsatz, danach kehren sie nach Stuttgart zurück und sollen dort Bericht erstatten. Über uns; darüber, wo sich noch sparen lässt.

Im Jahr 2012 gingen bundesweit 59 Millionen Arbeitstage verloren, weil Stress Kollegen fertig gemacht hat. Die Arbeitshetze führt zu einer massiven Zunahme psychischer Erkrankungen – mittlerweile der Hauptgrund für die Frührente. Wenn der Daimler-Vorstand mit seiner Politik durchkommt, dann wird es noch mehr Arbeitslose, Kranke und Frührentner geben.
Nein zu Sparprogrammen auf Kosten der Beschäftigten. Sparen wir uns lieber diesen Vorstand

# Diesen und noch weitere Artikel findest du in unserer letzten Ausgabe Nr.40. #

Offener Brief der „Alternative“-Gruppe bei Daimler Berlin an den Vorstand der IG Metall

An den Vorstand der IGM in Frankfurt am Main

An Arno Hager, Erster Bevollmächtigter der IGM Berlin-Brandenburg
An Klaus Abel, Zweiter Bevollmächtigter der IGM Berlin-Brandenburg
An Patrick Hesse, VK-Leiter Daimler Berlin-Marienfelde


Berlin, den 31. Januar 2013


Die Schließung des Opel-Werks in Bochum geht uns alle an
Wir brauchen eine gemeinsame Strategie für Gegenwehr in der Autoindustrie


Liebe Kolleginnen und Kollegen,


jeder von uns bekommt sein Gehalt heute pünktlich auf sein Konto überwiesen. Monat für Monat. Und man sollte eigentlich davon ausgehen können, dass das auf absehbare Zeit auch so bleibt. – Das dachten die Kolleginnen und Kollegen bei Opel Bochum bis vor kurzem ebenfalls. Aber plötzlich ist dort alles anders.


Erst werden die Beschäftigten im Bochumer Opel-Werk jahrelang hingehalten, dann nimmt sich der Unternehmenschef Thomas Sedran im Dezember sage und schreibe 40 Sekunden, um ihnen auf einer Betriebsversammlung das Aus mitzuteilen – was für Tausende Familien eine ungewisse Zukunft bedeutet.


Damit nicht genug: Einen Monat, nachdem die Konzernspitze die Schließung für 2016 ankündigte, erfahren die Opelaner, dass vielleicht schon 2014 Schluss ist! Konkret fordert der Vize-Chef des US-Mutterkonzerns General Motors, Stephen Girsky, jetzt ein rasches Ende der Verhandlungen über Zugeständnisse der Opel-Beschäftigten. Die seit Mai 2012 eigentlich fälligen 4,3 Prozent Lohnerhöhung waren von der IG Metall bisher gestundet worden – nun will der Konzern dieses Geld dauerhaft einbehalten. Außerdem verlangen die Unternehmer weitere Flexibilisierungen.


Natürlich sieht die Lage bei Daimler anders aus. Aber wir sollten uns daran erinnern, daß es auch mal eine Zeit gab, da galten die Arbeitsplätze bei Opel als sicher. Schließlich handelt es sich um eine Traditionsfirma mit einem großen Namen. Früher hieß es auch mal: Bochum ist Opel, Opel ist Bochum. Das hat sich komplett geändert.


Am 24. Januar war in der „Frankfurter Allgmeinen Zeitung“ zu lesen:  „Die Absatzflaute in Europa hängt nicht nur an der Konjunktur. Strukturelle Veränderungen drücken die Nachfrage. Der Automarkt bleibt auf Jahre hinaus schwach. Es gibt zu viele Fabriken.“ Das zeigt: In den nächsten Jahren kann es auch andere treffen. Opel geht uns alle an!


Das einzige, was Arbeitsplätze retten kann, ist der Kampf um Arbeitsplätze.


Der Kollege Berthold Huber hatte Recht, als er im Dezember sagte: „Wenn Opel dort jetzt ersatzlos alle Produktionsarbeitsplätze abbauen will, ist das eine offene Kampfansage an uns.“ Ein Teil der Belegschaft hat bereits signalisiert, dass er nicht kampflos klein bei geben will: So legten einige hundert Beschäftigte der Fertig- und Endmontage am Tag nach dem Schließungsbeschluss für anderthalb Stunden die Arbeit nieder.


Was uns allerdings irritiert hat, das waren die Aufrufe der Betriebsrats- und IG-Metall-Spitzen im letzten Monat nach „Besonnenheit“. Der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel meinte auf der Pressekonferenz am 10. Dezember sogar, vor „blindem Aktionismus“ warnen zu müssen. Mit solchen Aussagen wird nicht mobilisiert, sondern demobilisiert und sogar demoralisiert.


Jetzt wird von der Arbeitgeberseite noch eins draufgesetzt. Trotzdem schließt der BR-Vorsitzende Einenkel einen Streik zum jetzigen Zeitpunkt aus. – Sieht die Belegschaft das genauso?


Natürlich dürfen wir uns nichts vormachen. Ein Arbeitskampf würde nicht einfach werden. Die Beschäftigten in Bochum bräuchten einen langen Atem. Anders als 2004 ist die Komponentenfertigung für die anderen GM-Werke größtenteils abgezogen, so dass man heute nicht so einfach die gesamte Produktion von GM in Europa lahmlegen kann. Aber: Ohne Widerstand kann man keinen Druck erzeugen. Das mussten auch die Opelaner in Antwerpen vor zwei Jahren erfahren, die von ihrer Gewerkschaftsführung solange vertröstet wurden, bis keine wirksame Gegenwehr mehr möglich schien.


Unsere Gewerkschaft muss den ganzen Apparat mobil machen.


Opel Bochum zeigt, dass ein grundlegender Kurswechsel nötig ist. Im Sommer schwärmte der Betriebsratsvorsitzende am Stammsitz Rüsselsheim, Wolfgang Schäfer-Klug, noch, Thomas Sedran stehe für „New Opel“, für „die stärkste Führung seit Langem“. In den Ohren der betroffenen Kolleginnen und Kollegen muss das wie Hohn klingen.


Während des Streiks 2004 gab es bei Opel in Bochum noch 9.600 Stellen, heute – nach unzähligen Verzichtsprogrammen – sind es keine 6.000 mehr. Sogar jetzt noch wird Verzicht geübt, so wurde auf Teile des Weihnachtsgeldes verzichtet. Verzicht rettet aber keine Arbeitsplätze.


Vielmehr muss die Belegschaft dabei unterstützt werden, die Arbeit nieder zu legen und eine breite Solidaritätskampagne in der ganzen Region, an allen Opel-Standorten und in der gesamten Branche durchzuführen. Im Fall eines Arbeitskampfes könnte die IG Metall dabei helfen, Delegationen in andere Werke zu schicken, um Solidarität einzufordern. Am Bochumer Standort und in der Region sollten Versammlungen und Veranstaltungen auf die Beine gestellt werden. Bei anderen Betrieben, in Schulen und in Stadtteilen könnte über den Arbeitskampf informiert, Spenden gesammelt und für aktive Unterstützung geworben werden. Eine Großdemonstration würde eine enorme Ermutigung für die Belegschaft bedeuten.


Damit die Beschäftigten der einzelnen Betriebe nicht allein im Regen stehen, wurden früher einmal Gewerkschaften gegründet. Und mit der IG Metall, die 2,3 Millionen Mitglieder hat, wurde ein starker Apparat aufgebaut – der jetzt gebraucht wird, um das Ruder rumzureißen.


Opel Bochum ist eine Warnung – jetzt eine Widerstandskonferenz in der Autobranche organisieren!


Opel Bochum ist ein Warnsignal für alle Beschäftigten in der Autoindustrie. Im letzten halben Jahr wurde europaweit schon der Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Und mit der Kürzungspolitik der Regierenden in der EU werden Absatzrückgang und Stellenstreichungen noch zunehmen.


Darum ist die IG Metall gefordert, ein Kampfprogramm auszuarbeiten. Was wir brauchen, ist eine gemeinsame Strategie für Gegenwehr. Am Besten, die IG Metall organisiert in diesem Frühjahr eine offene Widerstandskonferenz von Vertrauensleuten der verschiedenen Autowerke in Deutschland und Europa mit internationaler Beteiligung.


Eine solche Konferenz könnte die Richtung weisen: Gegen die Spirale nach unten! Für den Erhalt aller Arbeitsplätze und Werke! Für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn statt Massenentlassungen!


Waldemar Gottlieb Derda – für die Alternative Gruppe im Daimler Werk Berlin

Zwangsurlaub nach Silvester?

Wer freut sich zum Jahresende nicht auf ein paar freie Tage im Kreis seiner Lieben? Aber wenn die Freunde und Verwandten nach Weihnachten abreisen und die Kinder wieder zur Schule müssen, dann macht es keinen Spaß mehr, zu Hause zu bleiben. Aber genau das könnte uns jetzt blühen. In einem Daimler-Werk nach dem anderen wird derzeit die Produktion gedrosselt. In Bremen und Stuttgart ist von einer mehrwöchigen Weihnachtsruhe die Rede. Und bei uns? Hinter den Kulissen liefen bereits Diskussionen über zwei Tage Betriebsruhe im November. Bei der Montage der B-Klasse soll der Weihnachtsurlaub nun schon Mitte Dezember beginnen. Die Bänder der C-Klasse sollen bis zur 2. Januarwoche still stehen, bei der E-Klasse noch länger.

Wenn wir nach Neujahr dazu verdonnert werden sollten, ein paar Tage oder Wochen länger zu Hause zu bleiben, dann fehlen uns diese Wochen später für den Familienurlaub, für die Reise zu Omas 80. Geburtstag oder für ein verlängertes Wochenende zum Auswärtsspiel von Hertha. In der Werbung wird der Urlaub als „die schönste Zeit des Jahres“ bezeichnet. Aber was hat man davon, wenn man den Urlaub nicht mit der Familie abstimmen kann und wenn er sich nicht längerfristig planen lässt? In Arbeitgeberkreisen macht neuerdings die Idee von der „atmenden Arbeitszeit“ die Runde. Wenn‘s brummt, soll die Belegschaft Überstunden kloppen, wenn die Aufträge zurückgehen, soll man weg bleiben. Nichts Neues, die Flexibilisierung soll nur noch heftiger werden.

Womit das Gesundheitsrisiko rapide zunimmt: Die Arbeitszeit „atmet“, der Rubel rollt und der Kollege röchelt … Keine Frage, in der Autoindustrie kriselt es wieder. Es ist aber nicht einzusehen, dass das auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Auch dieses Jahr erwartet Daimler einen Gewinn von gut 8 Milliarden Euro. Darum sollen die Manager und Großaktionäre, die sich jahrelang die Taschen vollgemacht haben, jetzt auch für die Kosten der Krise aufkommen!
Für die Einführung einer „Erholungspause“, wie sie vor 40 Jahren in Baden-Württemberg erkämpft wurde: Die „Steinkühler-Pause“ – 5 Minuten zusätzlich in der Montage
Feste Verträge für Leiharbeiter

# Diesen und noch weitere Artikel findest du in unserer letzten Ausgabe Nr.39. #