Droht eine Welle von Auslagerungen ?

Bis 2014 sollen bei Mercedes 2 Milliarden Euro „gespart“ werden. Dafür haben die MPS-Kräfte bei uns in Marienfelde und in den anderen Daimler-Werken jeden Stein umgedreht – und dem Vorstand in Stuttgart Bericht erstattet. Mittlerweile wissen wir mehr: Die Herren Zetsche und Co. wollen in großem Stil auf Werkverträge setzen.
Am 22. Mai schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Inzwischen wird klar, dass es bei dem Sparpaket auch darum geht, einen Teil der intern bei Daimler erledigten und meist hochbezahlten Arbeit auf billigere externe Anbieter zu übertragen.“ Toll, dass wir das auch noch aus der Presse erfahren.
Im Mai gab es dazu auch ein Schreiben des Gesamtbetriebsrates (GBR) an die Beschäftigten: „Um zum Wettbewerb aufzuschließen, will der Vorstand künftig verstärkt Aufgaben im Dienstleistungs-, Logistik- und Entwicklungsbereich fremd vergeben. Das Unternehmen orientiert sich dabei an Wettbewerbern, bei denen in einzelnen Werken über 50 % der Wertschöpfung durch Fremdfirmen erbracht wird.
Weiter meinen die Kollegen Klemm und Brecht vom GBR: „Ergebnis einer solchen Unternehmenspolitik wäre, dass Fremdfirmen unreguliert bei Daimler auf dem Werkgelände – in unseren Fabriken und Büros – agieren und Stammbelegschaft ersetzt wird.

Höchste Zeit, dagegen aktiv zu werden:

  • Nein zum Missbrauch von Werkverträgen
  • Verbot von Leiharbeit – DGB-Tarifverträge mit Zeitarbeitsfirmen ersatzlos kündigen
  • Betriebsräte sollten gegen alle Werkverträge klagen, durch die aufgrund der ausgeführten Tätigkeiten Arbeitsverhältnisse direkt bei Daimler entstehen. Stattdessen sollte für Festeinstellungen gekämpft werden
  • Für eine breite, öffentliche Kampagne von IG Metall und DGB gegen Auslagerung, Werkverträge und Leiharbeit
  • Für ein tarifvertraglich gesichertes Veto-Recht gegen Werkvertrags-Missbrauch
  • Gegen Arbeitnehmer 2. und 3.Klasse: Wer auf dem Daimler-Gelände arbeitet, muss auch Daimler-Lohn bekommen

# Diesen und noch weitere Artikel findest du in unserer letzten Ausgabe Nr.42.

Des weiteren hier noch der Film vom SWR „Hungerlohn am Fließband“

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Presseerklärung von Daimler-Kolleginnen und Kollegen zur Aktion vor der Hauptversammlung des Daimler-Konzerns am Mittwoch, den 10.04.2013 – ICC Berlin

Daimler – Kolleginnen + Kollegen wehren sich gegen Leiharbeit, Werkvertrag und Fremdvergabe!

Mercedes-Benz wirbt für seine Fahrzeuge mit dem Slogan „Das Beste oder nichts“. Früher hätten viele gedacht, dieses Motto trifft auch für die Arbeitsplätze im Daimler-Konzern zu. Es gilt aber definitiv doch nur für die Vorstände mit ihren millionenschweren Jahresgehältern und „bestens“ gesicherten Altersbezügen. Heute ist Daimler nämlich alles andere als der leuchtende Stern am Arbeitnehmerhimmel. Im Gegenteil dazu nimmt das Unternehmen eher eine Vorreiterrolle bei der Verschlechterung von Arbeitsbedingungen ein.

Seit Jahren nutzt Daimler dauerhaft einen festen Sockel an Leiharbeit. Außerdem werden in großem Umfang mit Werk- und Dienstverträgen Tätigkeiten bisheriger Stammbeschäftigter fremd vergeben. Das bedeutet für die Beschäftigten:

  • Perspektivlosigkeit
  • Unsichere, weil befristete Beschäftigung
  • Niedrigere Entlohnung
  • Höheres Unfallrisiko durch unterlaufene Arbeitssicherheit
  • Schlechtere oder in den meisten Fällen gar keine betriebliche Alterssicherung
  • Moderne Wanderarbeit mit unterschiedlichen Einsatzorten
  • Ständige Angst durch Prinzip „Hire and fire“

Mit dieser Beschäftigung werden zunehmend Beschäftigte 2. und 3. Klasse geschaffen. Im gleichen Betrieb werden die gleichen Tätigkeiten zu völlig unterschiedlichen Bedingungen verrichtet. Ein konkretes Beispiel aus dem Produktionswerk Untertürkheim: Ein Staplerfahrer, der Stammbeschäftigter ist, erhält monatlich brutto ca. 3.500 Euro; wenn es ein von Daimler entliehener Leiharbeiter ist, sind es ca. 2.700 Euro ; ist die Tätigkeit an einen Dienstleister fremd vergeben, holt sich diese Firma Leiharbeiter für ca. 1.300 Euro Monatslohn.

Ein Beispiel aus dem Verwaltungsbereich: Während eine fest bei Daimler beschäftigte Sekretärin 3.500 Euro erhält, kommt die Kollegin der Leiharbeitsfirma nicht über 2.200 Euro.
Diese Praxis mit prekären Beschäftigungsverhältnissen verbreitet sich wie ein Krebsgeschwür in allen Unternehmensbereichen. Selbst in Entwicklungs- und Forschungsbereichen sind es teilweise schon über 30 Prozent.

Weil derart befristet Beschäftigte notgedrungen schlechtere Bedingungen hinnehmen, erhöht dies auch den Druck auf die Arbeitsbedingungen der Stammbelegschaft.

Nicht nur bei Daimler und in der Automobilindustrie, sondern in allen Branchen ist die prekäre Beschäftigung auf dem Vormarsch. Seit 2000 wurden 2,3 Millionen Vollzeitarbeitsplätze vernichtet. Im Gegenzug wurden Billigjobs massiv ausgeweitet. Der Niedriglohnanteil mit einem Stundenlohn kleiner € 9,53 (Westdeutschland), bzw. kleiner € 7,22 (Ostdeutschland) ist auf über 22 % angestiegen.

Auch international wird deutlich, dass Daimler ein skrupelloser Ausbeuter befristet und schlecht bezahlter Arbeitnehmer ist. Im Montage-Werk in Pune/Indien kommen auf 167 Stammbeschäftigte ca. 700 Befristete und Leiharbeiter, die nur 20-25% des Lohnes eines Festeingestellten erhalten.

Der durch EU-Recht und deutsches Recht definierte Gleichbehandlungsgrundsatz von Leiharbeitern und Festangestellten wird durch Öffnungsklauseln mit Tarifverträgen unterlaufen. Solange diese Unterbietungstarifverträge existieren, werden Zetsche und Co. für sich und ihresgleichen immer nur das „Beste“ rausholen. Für die betroffenen Beschäftigten bleibt zu wenig bzw. „nichts“, um ein sozial gesichertes, würdevolles Leben zu führen.

Nicht nur die Mercedes-Kunden haben den Anspruch auf das „Beste“, sondern auch alle Beschäftigten. Deshalb müssen alle DGB-Tarifverträge mit Leiharbeitsverbänden ersatzlos gekündigt werden. Wir brauchen keine Regulierung von Leiharbeit, sondern ein Verbot von Leiharbeit und aller weiteren prekären Beschäftigungsverhältnisse.

Daimler-Koordination – Kontakt & ViSdP: Michael Clauss, Palmenwaldstr. 54, 73733 Esslingen

# Die Presseerklärung findest du hier: Presseerklärung Daimler-Koordination 10.04.2013